Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Klienten, das mich noch eine ganze Weile begleitet hat. Er erzählte mir, dass er mich schon so vielen Menschen aus seinem Umfeld empfohlen hat, sich aber bisher nur wenige davon bei mir gemeldet haben. Seine Frau hatte dafür eine sehr feine Erklärung. Sie meinte, dass viele vielleicht einfach Angst davor haben, was ihre Tiere ihnen sagen könnten.
Als ich das hörte, hat es tief in mir nickend Ja gesagt. Diese Sorge ist so menschlich und berührt zwei Punkte, die viele von uns leise im Herzen tragen.
Da ist zum einen die Befürchtung, dass Dein Tier Wünsche äußert, die Du im vollgepackten Alltag gar nicht erfüllen kannst. Die Angst vor dem schlechten Gewissen, weil die Spaziergänge gerade zu kurz sind, der Kopf zu voll ist oder die Zeit einfach zu schnell vergeht. Was ist, wenn mein Tier mich kritisiert? Was ist, wenn ich nicht reiche?
Ich möchte Dir von Herzen sagen, dass Dein Tier völlig ohne Urteil auf Dich blickt. Unsere Tiere kennen uns durch und durch. Sie sehen unsere Hektik, unsere Sorgen und auch die Tage, an denen wir einfach nur funktionieren. Wenn ein Tier in einer Kommunikation den Wunsch äußert, mehr Zeit in der Natur zu verbringen oder durchzuatmen, dann entspringt das nie einem Vorwurf. Da ist kein leises „Du müsstest aber mal“, und da ist kein Gefühl von Vernachlässigung.
Wenn Dein Tier nach Ruhe oder gemeinsamen Momenten fragt, meint es fast immer Dich. Es sieht, dass Dir der Stress nicht gut tut. Es spürt, wie sehr Du Dir selbst fehlst. Seine Impulse kommen immer aus einem Raum von tiefer Liebe und dem Wunsch, dass es Dir wieder besser geht.
Und dann ist da noch die zweite, vielleicht noch tiefere Hürde. Es gibt Dinge in unserem Leben, an die wir selbst nicht so gerne hinschauen möchten. Manchmal wissen wir ganz genau, wo wir eigentlich etwas verändern müssten, tun es aber noch nicht. Wenn ein Tier uns dann ganz sanft und liebevoll den Spiegel vorhält und genau diese wunden Punkte anspricht, kann das Widerstand auslösen. Wir haben Angst davor, mit der eigenen Wahrheit konfrontiert zu werden und die Sorge unser Tier irgendwie im Stich zu lassen, wenn wir unsere Themen nicht angehen.
Doch auch hier gilt: Dein Tier fordert keine Perfektion. Es öffnet einfach nur ein Fenster zu Deinem Herzen.
Ich habe meinem Klienten am Ende gesagt, dass das völlig in Ordnung ist. Es finden sich immer genau die Menschen und Tiere bei mir, bei denen es einfach passt. Diejenigen, die offen dafür sind und im richtigen Moment den Impuls spüren, hinzuhören und zu empfangen.
Wie geht es Dir mit diesem Gedanken? Kennst Du diese leise Scheu manchmal auch, oder darf der Raum zwischen Dir und Deinem Tier ganz frei und weit sein?
Alles Liebe
Tanja
