Gestern durfte ich ein Gespräch führen, das mich tief im Herzen berührt und gleichzeitig meinen Blick auf einen ganz besonderen Prozess noch einmal geweitet hat. Ich habe mich mit einem wundervollen Kater verbunden, der sich ganz leise und spürbar auf seine letzte Reise vorbereitet.
Seine Menschengefährtin stand genau an dem Punkt, den so viele von uns kennen und fürchten. Sie fühlte diese immense Hilflosigkeit und fragte sich voller Sorge, was sie noch für ihn tun kann, wie sie ihn unterstützen und seinen Körper stärken kann.
Der Kater hat uns eine Sichtweise geschenkt, die so voller Weisheit und innerer Klarheit war. Er erzählte, dass er spürt, wie sein Körper die Nahrung langsam gar nicht mehr braucht. Dass dieses Weniger-Werden ein völlig natürlicher Teil seines Loslöseprozesses ist. Wenn wir Menschen in unserer Liebe und der Angst vor dem Verlust dann unermüdlich neue Leckereien anbieten, weil wir das Gefühl haben, er müsste doch etwas essen, bringt das manchmal Unruhe in diesen feinen Ablauf. Wenn es zu verlockend riecht, isst das Tier vielleicht doch noch etwas, obwohl der Körper eigentlich schon im Rückzug ist.
Als er das erzählte, zog es mir kurz das Herz zusammen. Ich kenne diesen Impuls nur zu gut. Ich habe in Nielas letzten Tagen damals auch alles versucht, habe unzählige Dinge ausprobiert, um sie noch einmal zu animieren. Aus purer Liebe, und doch aus dieser menschlichen Not heraus, etwas tun zu müssen. Es geht gar nicht darum, dem Tier gar nichts mehr anzubieten, sondern vielmehr darum, den Druck und diesen übermächtigen Fokus herauszunehmen.
Was mich aber am tiefsten bewegt hat, war sein ganz persönlicher Wunsch für diese verbleibende Zeit. Er wünschte sich so sehr, dass sein Mensch und er diese letzte Phase gemeinsam voller Neugier erleben. Er betrachtete diese Reise fast wie ein ruhiges Abenteuer und war ganz offen dafür, was geschehen wird, wie sich dieser Prozess anfühlt und was er auf dieser neuen Ebene erleben darf.
Das ist so viel mehr als nur berührend. Es eröffnet uns eine völlig neue Perspektive auf das Sterben und den Abschied. Wir Menschen sind in dieser Phase meist wie erstarrt. Wir stehen mitten in unserer tiefen Trauer, haben riesige Angst vor dem endgültigen Moment, vor dem Schmerz und der Leere danach. Und genau hier schenkt uns dieser Kater eine sanfte Einladung, diesen Weg auch ganz anders wahrzunehmen. Nicht nur schwer und erdrückend, sondern staunend. Wie ein Wunder, das sich vor unseren Augen vollzieht, wenn eine Seele ihren Erdenkörper Schritt für Schritt verlässt.
Sein Wunsch war eine reine Hingabe an das Vertrauen, dass die Natur genau weiß, wie es geht. Immer wieder hat er uns das Bild des Ausatmens gezeigt. Ein weiches, tiefes Ausatmen. Loslassen, sich hineinsinken lassen, dem Fluss des Lebens vertrauen. Und irgendwann wird daraus ganz friedlich und von selbst der letzte Atemzug.
Ich frage mich selbst, ob mir das gelingen wird, wenn dieser Tag bei Maja oder Ida eines Tages kommt, hoffentlich erst in vielen, vielen Jahren. Es ist menschlich, zu bangen und zu trauern. Aber vielleicht geht es gar nicht darum, das die ganze Zeit perfekt zu schaffen. Vielleicht reicht es schon, wenn wir uns immer wieder für kleine Augenblicke genau dieser Sichtweise öffnen. Für diesen einen Moment der Ruhe, in dem wir nicht kämpfen, sondern einfach staunend an der Seite unseres Tieres sitzen und diesen heiligen Raum halten.
Vielleicht gibt Dir dieser Impuls heute ein kleines Stückchen Frieden mit auf Deinen Weg, ganz egal, wo Du und Dein Tier gerade steht.
Ich bin wie immer ganz gespannt, was dieses Bild in Dir auslöst. Wenn Du Deine Gedanken dazu mit mir teilen magst, schreib mir sehr gerne.
Alles Liebe zu Dir und Deinem Tier,
Tanja
