Kennst du diesen Blick? Dieser leicht besorgte, prüfende Blick, den wir automatisch auf unser Tier richten, wenn es eine Baustelle hat?
Wir beobachten jeden Schritt. Hinkt er noch? Steht sie heute besser auf? Hat sich das Symptom verändert? Wir tun das aus purer, tiefer Liebe. Wir wollen helfen, wir wollen Fortschritte sehen.
Aber genau hier liegt eine energetische Falle, die eine liebe Kundin nach einer Sitzung für ihren Hund Loucca neulich so treffend auf den Punkt gebracht hat. Sie schrieb mir, dass sie sich gefragt hat, was wohl passieren würde, wenn sie Loucca einfach so annimmt, wie er gerade ist. Ob sie nicht vielleicht mit ihrer Energie, den ständigen Sorgen und den Erwartungen an einen Fortschritt das Thema unbewusst blockiert, denn Energie folgt bekanntlich der Aufmerksamkeit.
Und wisst ihr was? Sie hat völlig recht.
Wenn wir unser Tier ständig mit dem Fokus auf seinen Mangel oder seine Krankheit beobachten, senden wir genau diese Energie aus: Sorge, Druck, Erwartung. Unser Tier spürt diesen permanenten Kontrollblick. Es spürt, dass wir im Widerstand mit dem sind, was gerade ist.
Das Prinzip ist ganz ähnlich wie bei der Alters-Brille, über die ich dir im letzten Newsletter im Bezug auf meine Maja erzählt habe. Wenn wir die Krankheits- oder Sorgen-Brille aufhaben, erlauben wir dem Tier nicht, im Hier und Jetzt einfach zu sein. Wir halten es energetisch in der Rolle des Patienten fest.
Heilung passiert oft genau dann, wenn wir den Druck herausnehmen. Wenn wir sagen: Okay, im Moment ist es eben so. Und ich liebe dich genau so. Ich erwarte heute keinen Fortschritt von dir.
In dem Moment, in dem Louccas Frauchen beschlossen hat, den Fokus zu verändern, durfte die Energie wieder fließen. Wo vorher ein starrer Wunsch nach Besserung blockiert hat, entsteht plötzlich wieder Raum für natürliche Veränderung. Das Vertrauen kehrt zurück in den Körper des Tieres und in den Fluss des Lebens.
Unsere Tiere sind unsere größten Spiegel. Sie fordern uns täglich heraus, unsere eigenen Ängste und Kontrollthemen anzuschauen, zu heilen und als wohl schwerste Disziplin überhaupt ins Loslassen zu kommen.
Ich möchte dir deshalb heute einen kleinen Impuls für die nächste Zeit mitgeben: Wo schaust du bei deinem Tier gerade zu genau hin? Wo machst du dir Sorgen oder erwartest ungeduldig eine Veränderung?
Versuche mal, für die nächsten Tage diese Sorgen-Brille ganz bewusst abzusetzen. Schau dein Tier an und sieh nicht die Baustelle, sondern die wunderbare Seele, die vor dir steht. Nimm es genau so an, wie es sich heute zeigt. Und dann schau mal, was passiert, wenn die Energie zwischen euch wieder völlig frei fließen darf.
Von Herz zu Herz, Deine Tanja
