Letzte Woche habe ich auf Facebook von meinem Gespräch mit einer Stute erzählt, die sich selbst verloren hatte. Vom Funktionieren-Müssen, vom Übersehenwerden, vom langen Weg zurück ins eigene Fühlen. Die Resonanz hat mich bewegt, denn so viele von euch kennen das. Nicht nur aus den Geschichten, die ich teile, sondern aus dem eigenen Alltag am Stall.

Viele meiner Klientinnen tragen etwas mit sich, das schwer wiegt. Sie haben gelernt, ihr eigenes Pferd mit anderen Augen zu sehen. Sie spüren, was es braucht. Sie geben ihm Raum, Zeit, echte Verbindung. Und dann gehen sie in den Stall, und sehen, wie es den anderen Pferden geht.

Wie sie funktionieren müssen. Wie sie abliefern sollen, egal ob sie einen schlechten Tag haben, egal ob ihnen etwas wehtut. Wie wenig Verbindung zwischen Mensch und Pferd manchmal spürbar ist. Wie sie versorgt werden, aber nicht wirklich gesehen.

Und das schmerzt. Wirklich.

Was mich dabei besonders berührt: Auch die Pferde, mit denen ich spreche, tragen das mit sich. Sie leiden nicht nur an ihrer eigenen Geschichte, sondern auch daran, dass es ihren Freunden im Stall nicht gut geht. Pferde sind so fein, so empfänglich. Das Leid nebenan bleibt nicht unbemerkt.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl der Hilflosigkeit. Diesen inneren Konflikt, etwas zu sehen, das dich traurig macht, und nicht zu wissen, was du damit anfangen sollst. Ansprechen? Kritisieren? Erklären?

Ich glaube, das ist selten der richtige Weg. Sobald jemand das Gefühl hat, kritisiert zu werden, macht er dicht. Und dann kommt nichts mehr an, wie gut die Absicht auch war.

Was aber wirkt, oft viel stärker als Worte, ist das eigene Beispiel.

Wenn andere sehen, wie du mit deinem Pferd umgehst. Wie du dir Zeit nimmst. Wie du fragst, statt zu fordern. Wie ihr beide sichtbar Freude aneinander habt. Dann passiert etwas ganz Leises im Unterbewusstsein des anderen. Ein kleines „Ach, es geht also auch anders.“ Ein erstes Nachdenken. Eine Tür, die sich einen Spalt weit öffnet.

Das ist kein schneller Prozess. Aber er ist echt.

Und dann gibt es noch etwas, das du tun kannst, ganz konkret und ohne großen Aufwand. Richte ein nettes Wort an die anderen Pferde. Den Stallnachbarn, der kaum beachtet wird. Das Pferd, das immer wartet, bis alle anderen schon draußen sind. Begrüße es. Streichle es kurz. Sag ihm etwas Schönes.

Gesehen zu werden, auch nur für einen Moment, macht einen Unterschied. Für das Pferd. Und auch für dich, weil du dich nicht mehr so hilflos fühlst, sondern weißt, dass du etwas gibst, auch wenn es klein erscheint.

Du kannst die Welt am Stall nicht auf einmal verändern. Aber du kannst jeden Tag ein kleines Licht sein. Für dein eigenes Tier. Und manchmal auch für das daneben.

Von Herzen, Tanja