Heute vor 6 Jahren ist Maja bei uns eingezogen.

Wenn ich das so schreibe, halte ich kurz inne. Sechs Jahre. So viele Morgende, an denen sie sich zum Kuscheln durch meine Beine schlängelt. So viele Spaziergänge, auf denen sie irgendeinen Duft entdeckt hat, dem ich noch nicht mal annähernd auf die Spur gekommen wäre. So viele Momente, in denen ich einfach nur dankbar war, dass sie da ist.

Aber der Anfang war anders.

Es war 4,5 Monate nach Nielas Tod. Wir hatten bewusst gewartet, bis wir uns wieder bereit fühlten, hatten vorsichtig unsere Fühler ausgestreckt, ohne Druck, ohne festes Ziel. Und dann war da plötzlich dieses Foto, dieses Gesicht, und es fühlte sich richtig an. Maja hatte vorher 3,5 Jahre in einer anderen Familie gelebt und hat uns beim ersten Treffen mit ihren Küsschen ganz klar gezeigt, dass sie gerne mit uns kommen möchte. Tiere kommunizieren so direkt, wenn wir hinschauen.

Und trotzdem war da danach dieses Gefühl.

Ich konnte sie nicht so lieben, wie ich es erwartet hatte. Wie ich es mir gewünscht hatte. Mein Herz war schwer, und in mir war ständig dieser Gedanke: Ich verrate Niela. Ich weiß, dass das nicht stimmt. Ich wusste es damals auch schon, rational, im Kopf. Und doch war das Gefühl da, laut und hartnäckig und irgendwie größer als jede Erklärung.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen Maja gegenüber, dachte, ich werde ihr nicht gerecht. Dachte, wir haben einen Fehler gemacht. Zu früh. Viel zu früh. Dabei hatte ich gleichzeitig das Wissen, dass Niela sich freute, dass wieder eine Fellnase bei uns eingezogen war. Sie wäre die Letzte gewesen, die mir das übelgenommen hätte. Und doch konnte mein Herz das nicht einfach so annehmen, nur weil es der Kopf wusste.

Maja war die ganze Zeit so verständnisvoll. So geduldig. Als hätte sie genau gewusst, dass mein Herz seinen eigenen Weg braucht und dass es nichts bringt, diesen Weg zu beschleunigen. Sie hat mir Raum gelassen, ohne sich zurückzuziehen. Sie war einfach da. Sanft, beständig, ohne Forderung.

Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr wann genau, war es dann einfach da. Die Verbindung. Ohne dass ich groß etwas getan hätte, ohne einen bestimmten Moment, den ich dir nennen könnte. Sie war plötzlich ganz da, und ich auch. Das Herz hatte seinen eigenen Weg gefunden, in seiner eigenen Zeit.

Heute bin ich so dankbar für unser schnüffeliges Seidenflausch, das immer alles im Blick hat, das jeden Morgen mit wedelndem Schwanz in den Tag startet und dessen Wärme ich manchmal erst dann wirklich spüre, wenn ich kurz stillhalte und sie einfach nur anschaue. 🐾 Wir haben so viele glückliche, besondere Momente miteinander erlebt, dass es mich manchmal noch immer überrascht, wie viel Platz sie in meinem Herzen hat.

Jedes Tier ist anders. Jedes lieben wir auf seine ganz eigene Weise. Und manchmal braucht das Herz einfach Zeit, um anzukommen. Das ist kein Versagen. Das ist kein Zeichen, dass die Verbindung nicht da ist oder nicht kommen wird. Es ist menschlich. 

Vielleicht kennst du das. Du bist dir nicht sicher, ob du schon bereit bist für ein neues Tier. Oder du hast bereits einen neuen Hund, eine neue Katze zu dir geholt, und merkst, dass die Verbindung sich noch nicht so anfühlt wie erhofft. Vielleicht fragst du dich, ob du einen Fehler gemacht hast, ob du deinem alten Tier gegenüber fair bist, ob dein Herz überhaupt noch in der Lage ist, sich so zu öffnen wie früher.

Darf ich dir etwas sagen?

Das bedeutet nicht, dass es falsch ist. Es bedeutet, dass du noch trauerst. Und Trauer und neue Liebe können eine Weile nebeneinander existieren, bevor das Herz wieder ganz Raum gibt. Beides hat Platz. Beides darf gleichzeitig wahr sein.

Dein Tier sieht das. Es weiß, wo du gerade bist. Und es wartet, ohne Ungeduld, ohne Erwartung, einfach in seiner stillen, klaren Art.

Vertrau deinem Herzen. Es findet seinen Weg.

Vielleicht geht es dir gerade ähnlich, oder du kennst dieses Gefühl aus einer anderen Zeit. Ich freue mich, wenn du mir davon erzählst.

Von Herzen, Tanja