Am Wochenende sind wir in den Wald gefahren, in dem wir mit Niela als Welpe spazieren gegangen sind. Ihren ersten Wald. Den Wald, in dem sie mit ihrer Stupsnase alles beschnüffelt hat, in dem sie über Wurzeln gestolpert ist und sich dann stolz umgedreht hat, als wäre es so gewollt gewesen.

Sie wäre an diesem Wochenende 20 Jahre alt geworden.

Zwanzig. Das ist eine große Zahl. Und gleichzeitig sind es auch schon fast sechseinhalb Jahre, seit sie gegangen ist. Beides fühlt sich irgendwie unvorstellbar an.

Wir sind also in diesem Wald gestanden, und es war so still in mir. Nicht die traurige Stille, eher diese ruhige, weite Art von Stille, in der sich plötzlich viel zeigt. Wie schnell diese 20 Jahre gegangen sind. Wie lebendig sie noch in meinem Herzen ist. Und wie sehr mich das alles an etwas erinnert, das ich eigentlich schon weiß, und das die Tiere uns jeden Tag zeigen, wenn wir hinschauen.

Dass das Leben jetzt ist.

Nicht morgen. Nicht wenn die Kinder aus dem Haus sind, nicht wenn der Urlaub gebucht ist, nicht wenn endlich mehr Zeit da ist. Sondern jetzt, in diesem Moment, in dem die Sonne durch die Bäume fällt und dein Hund seine Nase in die Erde drückt und du eigentlich schon fast weitergehen willst, weil du ja noch so viel vor hast.

Niela hat das immer gewusst. Sie hat nie einen Spaziergang „hinter sich gebracht“. Sie war einfach da, vollständig, mit allem was sie hatte.

Dieses Jahr hat mir das noch einmal auf eine ganz neue Weise berührt, weil auch mein 50. Geburtstag ansteht. Bei meinem Mann war es letztes Jahr, und wir haben beide gespürt, wie so eine runde Zahl einen innehalten lässt. Nicht mit Schwere, aber mit einer ehrlichen Frage: Was schiebe ich noch auf? Was warte ich ab? Welche Träume, welche Wünsche, welche Momente verschiebe ich auf „später“?

Und ich glaube, genau das ist es, was unsere Tiere uns lehren dürfen, wenn wir bereit sind, es anzunehmen. Sie planen nicht für übermorgen. Sie hängen nicht im gestrigen Spaziergang fest. Sie sind einfach hier, mit dir, und sie genießen es. Das Schnüffeln. Das Liegen in der Sonne. Den kurzen Blick, den sie dir zuwerfen, nur so, weil du da bist.

Ich frage mich manchmal, wie viele dieser Momente ich verpasse, weil ich gerade „keine Zeit“ habe. Weil ich noch schnell eine E-Mail schreibe, noch kurz etwas erledige, noch einen Gedanken zu Ende denke. Und das Tier liegt dabei einfach neben mir und wartet. Nicht ungeduldig. Einfach so.

Wenn dich dieser Gedanke gerade auch berührt, dann möchte ich dich einladen, dir heute eine kleine Frage zu stellen. Nicht als Aufgabe, sondern als Einladung.

Was schiebst du gerade auf? Und was wäre, wenn „später“ gar nicht nötig wäre?

Ich bin gespannt, was sich für dich zeigt.

Von Herzen, Tanja